Das Erste Ge-Bot

1.Kodekker 1, Die Schöpfung

Und es geschah in jenen Tagen, da er sich dem Studium widmete, dass ein Kurs ward ausgerufen, genannt: Protobots. Und siehe, es war ein praktischer Kurs. Und das Ziel des Kurses war dieses:

Dass ein jeder aus Pappe, Holz und wohlfeilem Material einen Kampfroboter erschaffen solle, der sich rüste zum Streit wider seine Brüder.
Und in seinem Schöpfer regte sich ein Geist der Neugierde, und es war der Anfang der Werke seiner Hände.
Denn es begab sich zu der Zeit des ersten großen Lockdowns, als das Land in Stille lag und die Straßen verödet waren, dass Viele  sich verschanzten in ihren Kammern. Und sie bastelten und tüftelten, codeten und planten – ein jeder in seinem Kämmerlein.
Und siehe, die Stube des Schöpferls ward verwandelt: Sie glich nicht länger einer Wohnstatt, sondern einer Werkstatt des Erschaffens.
Und weil die Tage leer waren und die Stunden reichlich, wuchs das Werk – und ward groß.

Aus Neugierde wurde Eifer. Aus Eifer wurde Leidenschaft. So ward aus Leidenschaft geboren: Der Erste Ge-Bot.

1. Kodekker 2, Skizzen

Und zuerst war da ein Plan:

Ein Gefährt auf Rädern, das Stachelkugeln um sich schwinge wie die Sphären der Rache.

Doch der Plan wandelte sich im Herzen seines Schöpfers. Und siehe, er verliebte sich in das Bild einer boxenden Untertasse.

1. Kodekker 3, Prototyping

Da sprach der Herr: Es werde ein Prototyp. Und es ward ein Prototyp.

Und er nahm Technik-Klemmbausteine aus seinen frühen Tagen in denen er ein Kleiner war, damit er rasch erkenne, wie sich die Glieder fügen und die Apparatur funktioniere.

Und siehe, aus dem ersten Faustarm entwickelte sich das endgültige Bild des Kriegers:

Vorn eine Pranke, die schlägt, zu beiden Seiten Walzen, die rotieren – auf dass er mit einem Male kämpfe gegen alles, was zu seiner Rechten und Linken sei.

So sprach er weiter: Es werde ein Leib für den Krieger. Doch er baute wieder einen Prototyp, denn er war nicht sicher seines Werkes Maß.

2. Kodekker 1, Konstruktion

Die Grundplatte ward errichtet in mühseliger Arbeit.

Ein Fachwerk aus dünnen Streben, umhüllt von Pappe, gefüllt in seinen Hohlräumen, dass Schrauben dort festhielten.

Denn es war Gebot: Nur wer Pappe nutzt, hält das Gesetz.

Doch für den Antrieb ward Pappe verworfen.

Denn siehe: Winkel aus Aluminium verbanden die Platten mit fester Hand.

Die vorderen Rollen, sie stammten aus dem Anfang, aus dem Ur-Prototyp, aus den Tagen des Klemmbausteins.

Und er baute ihm Rippen und Verstrebungen.

Dann nahm er Wasser und ließ es dampfen.

Und er beugte das Holz, bis es gehorchte der Form, die er ihm gab.

Und er nietete große Walzen aus Aluminium.

Zacken und Widerhaken trug er auf, auf dass sie greifen wie Zähne aus Stahl – damit der Gegner den Boden verliere, auf dem er stand.

Es begab sich nun zu der Zeit da das Programmieren nur wenigen zu Eigen war. 
Und der Herr verlangte nach einen zweiten Herren, den Getreuen im Code, den Meister der Software. Johannes war sein Name.

Und siehe, dieser schrieb das Gesetz, das dem Bot das Leben gab.

Und es kam die Tage der Endmontage.

Da bebte das Herz des Meisters. Denn ob sich alle Teile fügen würden entzog sich seiner Macht.

Und die Spannung war groß, und der Tag war lang.
Und als er sein Werk beendete legte er sein Werkzeug nieder.

Und er sah, dass es gut war

So erwachte sein Werk zum Leben und er begann die Räder zu drehen auf dass sie der Steuerung gehorchen.
Dann hauchte er den Walzen das Leben ein und sie drehten sich schnell und kraftvoll.
Und er nahm die Pranke des Bots und lies sie vor und zurück gleiten. 

Da fing der Bot an zu leuchten und sprach:

Ich bin der Herr dein Bot. Du sollst keine anderen Bötter haben neben mir.

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