The Algorythm Fear
The Algorythm Fear ist ein Installations-Konzept, welches anlässlich der Kunstausstellung auf dem Cyb.orx Festival 2025, von mir und meinem Programmierer und Elektriker des Vertrauens: Johannes Karcher, entwickelt wurde. Treu dem Motto: Cyborg – Mensch vs. Maschine, stellt The Algorythm Fear eine Verschmelzung zwischen organischem Gewebe und technisch, funktionaler Materie dar.
In einem Quader, der im Raum zu schweben scheint, klafft ein Loch aus dem, an Schläuchen hängend, ein pochendes Organ heraus hängt. Die als weitläufig bekannte Cyborg Darstellung aus Mensch, ergänzt mit Maschinenkomponenten, wird ad absurdum geführt. So nimmt die Maschine hier den weit größeren Raumanteil ein, während die menschliche Komponente unter ihrer Masse fast unterzugehen scheint. Trozdem ist das Herz das zentrale Element der Installation, weil es durch seine Positionierung auf Augenhöhe für den Betrachter begreifbar, erlebbar wird, während der Kubus ausser Reichweite im Raum schwebt.
Diese Erlebbare Komponente wird vor allem durch den Herzschlag provoziert, der mit dem Herantreten an das Werk einsetzt. Sofort wird The Algorythm Fear als lebender Organismus wahrgenommen, der jedoch irgendwie defekt zu sein scheint. Nicht nur dass Teile, die üblicherweise im Innern verborgen liegen nun angefasst werden können, sondern auch die Tatsache dass das Herz, je mehr man sich dem Objekt nähert, schneller und schneller pocht.
Hat die Maschine Angst ? Social Anxiety ? Wurde sie programmiert Angst zu haben? Doch zu welchem Zweck? Ist die Maschine vielleicht gar keine Maschine ?
Skizzen
Ein frühes Konzept des Herzens. Damals noch dem anatomischen Vorbild ähnlicher. Später entwickelte sich das Design in eine individuellere Version
Überlegungen für die Mechanik, die den Herzschlag umsetzen soll.
Modellierung
Beim Modellierungsprozess kristallisierte sich heraus, dass die Darstellung eines anatomisch korrekten Herzens nicht zu meinem Stil und dem, was ich darstellen möchte, passt. Die Idee von einem zerfurchten Organ, das mit dicken Adern und Kluften durchzugen ist und dessen stückweise geglättete Oberfläche ein interessantes Zusammenspiel von Ordnung und Chaos erzeugt, gefiel mir weitaus besser.
Hinzu kommt die saubere Trennkante an der Oberseite, an der sich der mechanische Deckel des Herzens anknüpft. Diese feine Linie zwischen technischer Oberfläche und organischem Gewebe wird lediglich durch Ausbuchtungen für Schlauchanschlüsse aufgebrochen.
Der Deckel dient nun funktional als Trägermaterial des Silikonteils, der Mechanik für das Pochen und stellt die Verbindung zwischen Kubus und Herz dar. Es sind also funktionale Anforderungen an das Bauteil, welche zu besonderem Materialeinsatz führen.
Für die das Äußere nutze ich eine ofenhärtende Polymer Modelliermasse, die ähnlich wie Ton verarbeitet werden kann und erst nach dem Backen ausgehärtet ist. Sie lässt sich also so lange wie gewünscht bearbeiten. Zusätzliche Stabilisation des Deckels und die passenden Formen zum Montieren der Mechanik am Rand, erzeugte ich mit Epoxid Harz Knete, welche eine höhere mechanische Belastbarkeit aufweist.
Das Mechanische Herzstück bildet eine 3d gedruckte Struktur aus verschraubbaren Elementen mit unterschiedlichen Funktionen.
Mechanik
Die Konstruktion Verbindung zwischen Deckel und Mechanik
Hier zu sehen ist eine frühere Version der Animatronik. Im Verlauf wanderte der Servo für die untere Klappe ganz nach oben, damit die Silikonform unten schön konisch zulaufen kann.
Entstandener Ausschuss während der Prototyping Phase
Sensorik und Programmierung
Während auf meiner Werkbank das Herz langsam wuchs und zu schlagen begann, beschäftigte sich Johannes in seiner Programmierstube mit dem Anlernen der Ultraschallsensoren und der Programierung der Software, die das gesamte Werk steuern sollte.
Zum Anlernen der Sensoren errichteten wir in seinem Wohnzimmer einen Quader, der die Lage der Sensoren wie sie später auch im Kubus sein würde, exakt nachstellte. Zusätzlich montierten wir Servos, die den Herzschlag simulieren würden. So hatten wir ein Testsystem geschaffen, mit welchem die Software ständig neu angepasst und abgerundet werden konnte.
Testplatine für die Ultraschall Sensoren.
Zwei Test Servos zum simulieren und frühen Anpassen des Herzschlages.
Verkabelun und Befestigung der Sensoren auf den Testrahmen.
Aufgebauter Test Turm.
Quader
Der Quader wurde im Inneren aus einer Holzkonstruktion aus Dreischicht Platten hergestellt. Die Oberfläche, vor allem an den abgeflachten Ecken, modiellierte ich mit dünnem Sperrholz. Darüber wurden mit Spachtelmasse sämtliche Unebenheiten verspachtelt und, im letzten Schritt, coloriert.
Größentechnisch mussten beim Quader aus zeitlichen Gründen Abstriche gemacht werden.
Der ursprünglich in der Vertikalen ausgeprägte Monolith komprimierte sich zu einer dickeren Platte. Und so zu den technisch wichtigen Bestandteilen des Werkes, nämlich der Unterseite des Quaders.
Das Portal aus dem das Herz heraus hängt besteht hauptsächlich aus Schläuchen und Kabel, die nach Innen gebogen sind.
In den Zwischenräumen sind LEDs verbaut, die je nach Herzfrequenz unterschiedlich gedimmt sind, um die Koherenz zwischen Herz und Quader zu unterstreichen.
Hochzeit
Beim Verbinden aller Komponenten des Herzens miteinander war viel Fingerspitzengefühl gefragt. Zunächst musste das Silikonherz an die Mechanik angeschlossen werden. Hierfür wurde das Silikon in der exakten Position über die Klappen gezogen und direkt im Anschluss der Rand in den Klemmen verspannt. Anschließend mussten alle Kabel aus den Schläuchen mit den Verbrauchern im Herzen verbunden werden. Das sind 3 Servomotoren, Zwei Lüfter, das Leuchtmittel und der Temperatursensor. Zum Schluss wurden Deckel und Herz miteinander verschraubt.
Aufbau
Man kann ein Projekt noch so gut planen, die örtlichen Gegebenheiten sind meistens anders als man denkt. In unserem Fall hatten die Ultraschallsensoren erhebliche Schwierigkeiten sich im Raum zurrecht zu finden.
Das könnte daran liegen, dass der Raum sehr hallig ist, und so jedes lautere Geräusch die Sensorik triggert.
So hatten wir am Ende ein Herz, das weniger auf Bewegungen um sich herum, sondern vielmehr auf den unmittelbaren Lärmpegel reagierte.
